Geschichte der Versicherung

Versicherungen sind heute so selbstverständlich wie ein Bankkonto oder ein Handyvertrag – doch hinter diesem Sicherheitsnetz steckt eine jahrtausendealte Geschichte. Schon lange bevor es moderne Policen, Pensionskassen oder digitale Tarife gab, suchten Menschen nach Wegen, Risiken gemeinsam zu tragen und ihr Leben vor unvorhersehbaren Ereignissen zu schützen.

In diesem Artikel erfährst du einfach und verständlich, wie die ersten Versicherungsformen entstanden, welche Länder die moderne Versicherungswelt prägten, wie sich Policen im Laufe der Jahrhunderte entwickelten und wie die Schweiz eines der bedeutendsten Versicherungszentren wurde. Zudem erhältst du einen klaren Überblick über alle wichtigen Meilensteine der Schweizer Sozialversicherung – von AHV und IV bis hin zu ALV, UVG und BVG.

Schon bevor es Geld gab, suchten Menschen Wege, einander im Notfall zu schützen – die Wurzeln der Versicherung reichen tiefer als jede Zivilisation.

Ursprung der Versicherung – wie alles begann

Schon sehr früh suchten Menschen Schutz vor unberechenbaren Gefahren wie Diebstahl, Krankheit, Unfällen
oder Naturkatastrophen. Die ersten Versicherungssysteme basierten auf Solidarität und gemeinsamer
Risikoteilung. Der Grundgedanke war immer derselbe: Viele zahlen gemeinsam ein, damit der Einzelne im
Schadensfall nicht alles verliert.

Mesopotamien (ca. 2100–1700 v. Chr.)

In Mesopotamien schlossen Händler Transportgemeinschaften, um Waren auf langen Handelsrouten abzusichern.
Im berühmten Codex Hammurabi (ca. 1750 v. Chr.) gab es Regelungen, die Versicherungen
ähnelten: Wer Kredit für eine Handelsreise aufnahm, musste bei Verlust der Waren die Schuld nicht vollständig
zurückzahlen. Das war eine frühe Form der Risikoversicherung.

China (ca. 1000 v. Chr.)

In China verteilten Kaufleute ihre Waren auf mehrere Boote. Dadurch wurde das Risiko eines Totalverlustes
verringert. Dieses einfache Prinzip ist bis heute in der Transportversicherung wiederzuerkennen:
Das Risiko wird auf mehrere Träger verteilt.

Antikes Griechenland und Rom

Im antiken Griechenland entstanden erste Formen von Seeversicherungen für Handelsschiffe.
In Rom zahlten Soldaten und Arbeiter in sogenannte Begräbniskassen ein. Aus diesen Kassen wurden im Todesfall
die Bestattungskosten übernommen – ein Vorläufer der modernen Lebensversicherung.

Die ersten Länder mit modernen Versicherungen

Italien – Frühformen moderner Policen

Im Mittelalter wurden Städte wie Genua, Venedig und Florenz
zu Zentren des Seehandels. Dort entstanden im 14. Jahrhundert schriftliche Versicherungsverträge, sogenannte
Policen. Sie regelten:

  • welche Risiken gedeckt sind,
  • welche Prämien bezahlt werden,
  • welche Entschädigung im Schadensfall fällig wird.

Diese Verträge gelten als Vorläufer der modernen Transport- und Seeversicherung.

weltkarte handelrouten geschichte der versicherung

England – der erste systematische Versicherungsmarkt

Ein entscheidender Schritt in der Geschichte der Versicherung war der
Große Brand von London im Jahr 1666. Über 13 000 Häuser brannten nieder.
Kurz danach entstanden erste organisierte Feuerversicherungen. 1681 wurde die „Fire Office“ gegründet, eine
der ersten großen Feuerversicherungseinrichtungen.

Ab 1688 entwickelte sich im „Lloyd’s Coffee House“ ein Treffpunkt für Händler, Schiffseigner und Versicherer.
Daraus entstand später Lloyd’s of London, eines der bekanntesten Versicherungs- und
Rückversicherungszentren der Welt. England gilt daher als eines der ersten Länder mit einem systematischen
und professionellen Versicherungsmarkt.

Die ersten Versicherungen, wie man sie heute kennt

Lebensversicherung (ab Anfang 18. Jahrhundert)

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurden in England die ersten Lebensversicherungen eingeführt, die auf
mathematischen Grundlagen beruhten. Dank sogenannter Sterbetafeln konnten Versicherer berechnen, wie hoch
Prämien sein mussten, um zugesagte Leistungen im Todesfall zu finanzieren. Das war ein entscheidender Schritt
hin zu den modernen Personenversicherungen.

Haftpflichtversicherung (19. Jahrhundert)

Mit der Industrialisierung nahm die Zahl der Unfälle und Schäden stark zu. Fabriken, Maschinen und immer
dichterer Verkehr führten zu neuen Risiken. Im 19. Jahrhundert entstanden erste Haftpflichtversicherungen, um
Privatpersonen und Unternehmen vor finanziellen Forderungen Dritter zu schützen.

Sozialversicherung (ab 1883)

Ein Meilenstein für staatliche Versicherungen war Deutschland unter Reichskanzler Otto von Bismarck.
Dort wurden zwischen 1883 und 1889 die ersten nationalen Sozialversicherungen eingeführt:

  • 1883: Krankenversicherung
  • 1884: Unfallversicherung
  • 1889: Invaliditäts- und Altersversicherung

Dieses Modell diente vielen anderen Ländern – auch der Schweiz – als wichtige Orientierung.

Geschichte der Versicherung in der Schweiz

Die Schweiz zählt heute zu den wichtigsten Versicherungsstandorten der Welt. Der Aufbau der Versicherungsbranche
begann im 19. Jahrhundert und hat sich seither stetig weiterentwickelt.

19. Jahrhundert – Beginn der modernen Versicherung in der Schweiz

1826 – Helvetia

1826 wurde in St. Gallen eine der ersten bedeutenden Versicherungsgesellschaften gegründet, aus der später
die heutige Helvetia entstand. Ein Schwerpunkt lag auf der Feuerversicherung.

1857 – Basler Versicherungen

Mit den Basler Versicherungen entstand ein weiteres wichtiges Unternehmen, das den Schweizer Markt stark
prägte und später international aktiv wurde.

1872 – Swiss Re

1872 wurde in Zürich die Schweizerische Rückversicherungs-Gesellschaft (Swiss Re) gegründet.
Sie ist heute einer der größten Rückversicherer weltweit und spielt eine zentrale Rolle im globalen
Risikomanagement.

Einführung der wichtigsten Sozialversicherungen in der Schweiz

Das Schweizer Sozialversicherungssystem basiert auf mehreren Säulen und Gesetzen. Hier sind die wichtigsten
Einführungsmomente im Überblick.

AHV – Alters- und Hinterlassenenversicherung (seit 1948)

Die AHV wurde im Jahr 1948 eingeführt. Sie bildet den
1. Pfeiler der Altersvorsorge in der Schweiz. Die AHV soll den Existenzbedarf im Alter
und bei Hinterlassung (z. B. Witwen- und Waisenrenten) sichern.

„Die AHV ist ein Pfeiler der sozialen Sicherheit – geschaffen, um das Alter mit Würde und finanzieller Stabilität zu unterstützen.“

IV – Invalidenversicherung (seit 1960)

Die Invalidenversicherung (IV) wurde 1960 eingeführt. Ihr Ziel ist es,
Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen möglichst wieder ins Erwerbsleben zu integrieren. Der Grundsatz
lautet: Eingliederung vor Rente.

ALV – Arbeitslosenversicherung (seit 1982)

Die obligatorische Arbeitslosenversicherung (ALV) gibt es seit 1982.
Sie sichert Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei Stellenverlust ab und bietet zusätzlich Leistungen wie
Kurzarbeitsentschädigung oder Schlechtwetterentschädigung in gewissen Branchen.

UVG – Unfallversicherungsgesetz (seit 1984)

Das Unfallversicherungsgesetz (UVG) trat 1984 in Kraft. Es regelt die
obligatorische Unfallversicherung für Arbeitnehmer. Versichert sind:

  • Berufsunfälle,
  • Nichtberufsunfälle (ab einer bestimmten Arbeitszeit),
  • Berufskrankheiten.

BVG – Berufliche Vorsorge (seit 1985)

Das Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG)
gilt seit 1985. Es bildet den 2. Pfeiler der Altersvorsorge
und wird oft als Pensionskasse bezeichnet. Ziel ist es, zusammen mit der AHV, die Fortsetzung der gewohnten
Lebenshaltung im Alter zu ermöglichen.

Die Schweiz als globaler Versicherungsstandort

Heute ist die Schweiz einer der führenden Versicherungs- und Rückversicherungsstandorte der Welt. Bekannte
Unternehmen wie Zurich, Swiss Life, Helvetia,
Mobiliar oder Swiss Re sind national und international tätig.

Gründe für die starke Position der Schweiz im Versicherungsbereich sind unter anderem:

  • politische und wirtschaftliche Stabilität,
  • ein gut ausgebauter Finanzplatz,
  • hohe Fachkompetenz im Risikomanagement,
  • klare gesetzliche Rahmenbedingungen und Konsumentenschutz.

Fazit: Warum Versicherungen so wichtig sind

Die Geschichte der Versicherung zeigt, dass der Wunsch nach Sicherheit schon seit Jahrtausenden besteht.
Von einfachen Absprachen unter Händlern bis zu komplexen Sozialversicherungen in der Schweiz hatte jede
Entwicklungsstufe dasselbe Ziel:

Risiken gemeinsam tragen, um einzelne Existenzen zu schützen.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zur Geschichte der Versicherung

Seit wann gibt es Versicherungen?

Erste Formen von Versicherungen existieren seit rund 4 000 Jahren. Bereits in Mesopotamien und China teilten Händler ihre Risiken, um Transporte und Handelsreisen abzusichern.

Welches Land hatte die ersten modernen Versicherungen?

Im Mittelalter entstanden in italienischen Städten wie Genua und Venedig strukturierte Seeversicherungen. England entwickelte später mit London einen der ersten professionellen Versicherungsmärkte.

Wann wurden die wichtigsten Sozialversicherungen in der Schweiz eingeführt?

Die wichtigsten Einführungsmomente sind:

  • AHV: 1948
  • IV: 1960
  • ALV: 1982
  • UVG: 1984
  • BVG: 1985

Was ist die wichtigste Versicherung in der Schweizer Altersvorsorge?

Die AHV bildet den 1. Pfeiler der Altersvorsorge und ist die zentrale Grundversicherung für Rentnerinnen und Rentner in der Schweiz.

Warum ist die Schweiz ein bedeutender Versicherungsstandort?

Dank Stabilität, starkem Finanzplatz, hoher Fachkompetenz und klaren gesetzlichen Vorgaben ist die Schweiz seit Jahrzehnten ein international führender Versicherungs- und Rückversicherungsstandort.